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Feedback jeder Art Triptychon des Schweigens (Tanka-Zyklus)

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Wo Liebe tastet – und verstummt.

🌿

Zwei Stimmen weben,
versteckt im leisen Schweigen,
ihr Echo suchend.
Im Herz ein zarter Atem,
der Antwort sucht und vergeht.

Die Liebe tastet,
unsichtbar an meiner Hand,
durch dunkle Nächte.

Sanft wird jeder Schritt nun sein,
wenn sie mich still berührt.


Ein Leuchten streift ,
wie Tau an den ersten Gräsern,
durch Nacht und Schatten.
Sanft wie der Wind wird der Schritt,
wenn es mein Herz berührt.

🌙

Ein mattes Glas steht,
halb licht, halb im Schattenraum,
leise durchschimmernd.
Im Schweigen ruht eine Spur,
die noch an Nähe erinnert.




Kälte umhüllt mich,
Wände ohne jedes Tor,
nur starre Schatten.
Die Stille schlägt wie ein Stein,
der in die Tiefe sinkt.


Haut aus kaltem Stahl,
kein Licht, kein Wort dringt hindurch –
die Welt bleibt ferne.
Nur die Liebe, die einst war,
haucht wie ein Seufzer im Wind.

Ein blinder Spiegel,
der nur die Leere bewahrt,
doch keine Nähe.
In seinem frostigen Glas
verlischt, was einst uns verband.
 
Hallo, Driekes
Ich lese gerade dein Gedicht. Und ich muss gestehen, es könnte jeder Vers für sich allein stehen und wäre gut so wie er ist. Ich finde die freie Versform auch super, mir gelingt sie nur nicht so, dein Text lässt sich aber gut lesen und ich kann mir meine eigenen Gedanken dazu machen.
es grüßt Pegasus
 
Moin Pegasus,

hab vielen Dank für deinen Kommentar. 🌸

Du hast recht, die Verse wirken auf den ersten Blick wie frei gesetzt –
ohne Reim und mit viel Raum zum eigenen Nachdenken.

Doch sie folgen streng der klassischen Tanka-Form (5–7–5–7–7).
Mir gefällt daran, dass sie im Deutschen fast unsichtbar bleibt:
streng gebaut und doch leicht lesbar.

Jedes einzelne Tanka kann man für sich allein nehmen,
wie du es empfunden hast. Gleichzeitig war mir wichtig, sie hier als Triptychon zusammenzustellen, damit sich ein größeres Bild ergibt – drei Stimmen,
die zusammen ein Echo ergeben.

Umso schöner, dass du beim Lesen deine eigenen Gedanken
hineinlegen konntest – genau das ist es, was mir an dieser Form gefällt.

LG. Driekes
 
Hallo Driekes, deine Beherrschung der Form ist wunderbar. Gestatte bitte eine kleine Bemerkung. Für mich sind die Tanka (auch waka genannt, das "harmonische Gedicht") eng verbunden mit den Kopfkissenworten und... mit einer, für uns wenigstens, "Vergeudung" von Klänge in der Form von aneinander geschalteten Verb-Endungen. Ich habe sie immer als prächtig wahrgenommen. Nacht ist sehr oft "nubatama-no" (wie schwarze Samen einer Frucht), und Schnee fällt nicht einfach, man schreibt yuki-ha furi-tsutsu, um das Fallen des Schnees eine Dauer zu geben. Die Folge ist, dass weniger Substantive da sind, dafür mehr reiner Klang. Und Klang ist sehr wichtig, da die alten Dichter sich nah am Sankrit wussten. Wenn im Spiel uta-karuta die 100 Tanka-Anfänge (die Oberstollen also) rezitiert werden klingen sie als Zauberformeln. Das ist auch so gemeint. Ich habe keine Ahnung wie man dies auf Deutsch machen kann, ich bin nun mal kein Muttersprachler, aber es lohnt sich zu experimentieren mit den Kopfkissenworten. Es fügt eine Leichtigkeit zu, meine ich. Liebe Grüße
 
Hallo Driekes, gerade. dass die Form nicht insbesondere auffällt, beweist, wie gut Du sie beherrschst. Ein zu Herzen gehendes Gedicht über eine entflammende Liebe, die leider verhaucht. Da bleibe ich mit einem Seufzer zurück. Deine Worte klingen nach und sind so wählt und gesetzt, dass ich mich gut einfühlen kann.
Schön, dass man sich der Gefühle und deren Tragkraft erinnert, auch wenn sie nicht von Dauer waren.

Liebe Grüße Juls
 
Danke dir, @ranranshi.
Dein Hinweis trifft etwas Wesentliches: Tanka/Waka lebt nicht nur
von Form und Bild, sondern vom Klang, von der Schwebe, von jener
Sprachbewegung, die sich kaum direkt ins Deutsche retten lässt.

Gerade die Kopfkissenwörter und die fortlaufenden Wendungen erzeugen
diesen fast beschwörenden Ton. Das lässt sich nicht übernehmen,
aber es bleibt ein Maßstab, dem man sich annähern kann.
Ich habe bei meinen Versuchen mit Chōka und auch bei meinen Annäherungen
an singhalesische Kavi-Formen immer wieder gemerkt, wie stark solche Dichtung
vom Klang getragen wird – oft mehr, als man beim bloßen Lesen auf den
ersten Blick meint. Ich nehme deinen Hinweis daher gern mit:
weniger Benennung, mehr Klang, mehr Schwebe.
Danke dir dafür.

@Darkjuls

Danke dir, Juls.
Dass die Form nicht auffällt, freut mich besonders. Sie sollte das Empfinden tragen,
nicht sich selbst in den Vordergrund stellen. Schön, dass du dieses vorsichtige
Aufleuchten und Vergehen so fein wahrgenommen hast.

LG Driekes
 
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