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Feedback jeder Art Ungewollt

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  • Sabine
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Ungewollt.
Ein Wort, das die Grundlage ihres Lebens beschreibt.
Ungewollt.
Per Definition nicht beabsichtigt oder willentlich herbeigeführt. Ein Ergebnis oder Ereignis das nicht gewünscht ist.
Ungewollt.
Die Schwangerschaft mit ihr war es ebenfalls. Ein Unfall, trotz stümperhafter Verhütung passiert. Schwanger nach Geschlechtsverkehr mit dem Ehemann. Bereits als Kind sagte man ihr, dass sie ein Unfall war. Die Schwangerschaft sei ein Schock für die Mutter gewesen. Als ihr Gynäkologe berichtete, dass der Fötus aufgrund eines Myoms abgehen würde stellte sich Erleichterung ein. Der nächste Schock folgte als der Embryo blieb, sich zu keiner Fehlgeburt entwickelte. Eine Mutter sagt ihrem Kind, dass sie entsetzt war als es nicht von alleine starb im Mutterleib. Eine Aussage, viel zu groß für eine kleine Kinderseele. Viel zu hart für ein weiches Herz. Viel zu weitreichend in ihrer Brutalität. Das kleine Mädchen empfindet Schuld und Scham. Es hatte selbst als Baby im Bauch der Mama nichts richtig gemacht. Es hätte nur sterben müssen um die Mama nicht noch mehr zu belasten. Schließlich hatte sie mit dem Bruder Roman und ihrer Schwester Sylvia schon genug Kinder. Die kleine Sabine war einfach unerwünscht.
Ungewollt war ihre Bezeichnung, eingebrannt auf die kleine Kinderseele wie ein Vieh gebrandmarkt. Ein Störenfried. Ein Problem mit Gesicht. Das Topping auf dem Problemhaufen. Das was man gerade noch brauchen kann. Sie konnte den Vorwurf aus den wiederholten Sätzen hören. Der Vorwurf entgegen fachärztlicher Meinung am Leben zu sein.
Regelmäßig wurde am Küchentisch erzählt, dass es ja ein heftiger Schock war, dass Sabine nicht abgegangen war. Das Wort "abgegangen" hing dabei in der Luft im Raum wie stickiger Qualm, der die Atmung erschwert und nicht abzieht. Was bedeutet abgehen? Das fragte sich die Kleine immer wieder. Abgehen hörte sich so harmlos an. Aber eigentlich meinte es sterben. Nicht nur eigentlich. Das Herz des Embryo hätte aufgehört zu schlagen und wäre dann aus dem Bauch der Mutter gegangen. Vermutlich in die Toilette, so die Erklärung der später großen Sabine. In die Toilette wandern eklige Dinge, die man dann herunter spült. Der Nachsatz der Mutter:"Aber jetzt sind wir ja froh dass du da bist. " milderte die Aussage nicht ab, im Gegenteil. Für sie fühlte es sich an, als würde man einfach das Beste daraus machen, jetzt da das Unvermeidliche, nämlich ihre Geburt, eingetreten war. Mit der "Situation" umgehen als wäre sie jetzt geduldet, dürfte bleiben.
Es ist ein tiefinneres Gefühl, ein Bewusstsein auf einer anderen Ebene das die heute erwachsene Sabine begleitet. Es ist ein Stempel auf der Seele: ungewollt.
Bestimmt weiß es jeder, mit ihr stimmt etwas nicht.Wie B-Ware. Es ist ein Haken dran. Die Funktionsfähigkeit ist etwas eingeschränkt. Muss ja, sonst hätte das Mädchen allen Beteiligten einen Gefallen getan und wäre abgegangen. Um mit dieser Belastung der ungewollten Schwangerschaft klarzukommen war es auch nachvollziehbar, dass die Mutter im Gegensatz zu den anderen beiden Schwangerschaften das Rauchen nicht aufhörte. Diesen Stressfaktor wollte sie sich nicht zusätzlich zumuten. Das Mädchen war dankbar dass es nicht sterben müsste. Die Auswirkungen von Tabakkonsum auf den Embryo war der Preis, dass sie bleiben durfte. Diesen zahlte sie gerne. Und für Stillen hatte die Mutter auch keinen nervlichen Kapazitäten mehr übrig. Mit ihr musste ja etwas nicht stimmen. Ihre Geschwister waren Wunschkinder. Da hört man das Rauchen selbstverständlich auf und stillt. Bei einem Kind, das nicht gewollt ist macht man das natürlich nicht. Verständlicherweise. Das beipflichtende Nicken und Bestätigen der Tochter wurde erwartet.
Ungewollt.
 
Hallo Sabine,
ich bin erschüttert von Deiner Geschichte! Eine schwere Hypothek die das kleine Mädchen mitbekommen hat. Ich glaube auch, dass man die Verinnerlichung so ungewollt zu sein niemals abschütteln kann und ich weiß wovon ich rede! Du hast es sehr gut auf den Punkt gebracht, in Sätzen, die früher so zu Kindern gesagt wurden, ohne daß sich jemand Gedanken darüber gemacht hat, was sie bewirken. Schließlich hat man ja auch gesagt, man wäre froh, daß das Kind jetzt da ist… das klingt wie Hohn in den Ohren der Betroffenen!
Ich finde es sehr mutig vom L I diese Erfahrung mit uns zu teilen und grüße Dich sehr herzlich,
Lizzy
 
Liebe Lizzy,
von Herzen danke für deine Worte. Deine Zeilen machen deutlich, dass Du die Schwere und den Schmerz nachfühlen kannst. Habe lange überlegt den Text zu teilen, bin jetzt aber sehr froh es getan zu haben. Es ist ein bisschen wie Last loslassen.
Sende Dir herzliche Grüße
Sabine
 
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Schönen guten Abend, Sabine,

und auch von mir meinen aufrichtigen Respekt für Deine Offenheit.

Ich fühle mich sehr berührt.
Nicht erwünscht zu sein ist schon übel genug; es dann auch noch erzählt zu bekommen, wie kann ein Kund das ertragen?

Meine Geschichte ist ein wenig anders -- nachdem das erste Kind ein Mädchen war, sollte ich unbedingt ein Junge werden - der sogenannte Stammhalter.
In einer tiefen Trance habe ich erlebt, wie meine Eltern mir von Geburt an signalisierten, dass sie kein Mädchen wollten.
Genug existenzielle Ablehnung für Jahrzehnte.

Herzliche Grüße

Danu
 
Zuletzt bearbeitet:
Liebe Sabine,

das ist sehr, sehr mutig von dir!
Und auch ich weiß was deine Zeilen bedeuten.
Und allein das du so schreibst und es mit uns allen teilst, macht dich zu etwas ganz Besonderem! Danke dafür!
Alles Liebe für dich

Grüße Graukariert
 
Liebe Danu, liebe Graukariert,

auch euch von Herzen danke 🫶🏼. Eure Worte, euer Verständnis und euer Zuspruch bedeuten mir sehr viel! Meinen Respekt auch für eure Offenheit und danke für's Teilen.
Liebe Grüße Sabine
 
  • Sabine
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