Aktuelles
Gedichte lesen und kostenlos veröffentlichen auf Poeten.de

Poeten.de ist ein kreatives Forum und ein Treffpunkt für alle, die gerne schreiben – ob Gedichte, Geschichten oder andere literarische Werke. Hier kannst du deine Texte mit anderen teilen, Feedback erhalten und dich inspirieren lassen. Um eigene Beiträge zu veröffentlichen und aktiv mitzudiskutieren, ist eine Registrierung erforderlich. Doch auch als Gast kannst du bereits viele Werke entdecken. Tauche ein in die Welt der Poesie und des Schreibens – wir freuen uns auf dich! 🚀

Feedback jeder Art Verein zur gegenseitigen Absicherung gegen Bedeutungslosigkeit

Hier gelten keine Vorgaben mit Ausnahme der allgemeinen Forenregeln.
  • Darkjuls
    letzte Antwort
  • 12
    Antworten
  • 155
    Aufrufe
  • Teilnehmer
Sobald eines der Mitglieder
sein literarisches „Werk“ abliefert,
jubelt der Rest —
Fremdlob, der nach Eigenlob schmeckt.

Und wenn dann jeder der Reihe nach
sein kleines Denkmal aufstellt
und alle artig Beifall üben,
dann gibt es — du ahnst es schon —
keinen, der ungefeiert bleibt.

1769015242007.png



Illustration: KI-generiert (eigene Vorgabe)
 
Moin @Driekes

Ich denke wenn sich Leute zusammenfinden, wo jeder die Werke des anderen bewundert, oder zumindest gut findet, dann ist das eine feine Sache. Nur würde ich einen geistreichen Austausch bevorzugen und nicht nichtssagenden Beifall. Da sind Gedichte und dergleichen nur das Schmiermittel oder der Schlüssel für tiefere Konversationen. Das ganze menschliche Kommunikationszeug eben. Last but not least... ein wenig kuschelig ehrliche Bedeutungsbekundung ist doch ganz nett, in einem kalten, größtenteils leeren, finsteren, lebensfeindlichen Universum, das alles mit absoluter Gleichgültigkeit behandelt und ohne mit der Wimper zu zucken, wie Krümmel vom Küchentisch aus der Existenz fegt.
Wohl dem der (wahre) Freunde hat... oder glaubt welche zu haben.

Meine Gedanken zu deinem Thema. Ich würde gerne wissen wie du das siehst und welche Absichten du genau mit zu teilen gedenkst mit dem Post. Kritik an Lobhudelei?

LG JC
 
Hallo Driekes

Ist es nicht so: Bedeutung bekommt ein Werk erst durch den Beifall anderer. Ansonsten verschwindet es unbeachtet in der Schublade.
Gemeinsam sich einer Sache widmen, ist an sich schon von Bedeutung. Ich merke nur, dass sich in meinem Umfeld niemand für meine bescheidenen Texte interessiert (macht mir aber nichts aus, da ich Spaß daran habe).
LG Teddybär 🐻
 
Moin zusammen,

danke fürs Reinlesen und fürs Gegenhalten.

@Guenk: Kann gut sein, dass es thematisch schon mal in der Nähe war –
ich kreise um solche “Rituale” gern öfter, weil sie im Alltag überall vorkommen.
Wenn’s ein Déjà-vu ist: umso besser, dann trifft’s offenbar eine wiederkehrende Stelle.

@Chandrika W. : Da gehe ich mit: Oft klatscht man nicht fürs “große Werk”,
sondern für den Mut, etwas von sich zu zeigen. Genau das wollte ich nicht abräumen.
Meine Satire zielt auf den Moment, wo Beifall zur Pflichtübung wird – höflich, sicher, folgenlos.

@Joshua Coan
Moin – danke für den langen, ernsthaften Einwurf.
Ich mag an deinem Kommentar, dass du das Menschliche nicht wegidealisierst:
Ja, wir brauchen Wärme, Resonanz, manchmal auch einfach ein freundliches
„Ich hab dich gesehen“. Und ja: In einem ziemlich gleichgültigen Universum
ist jede Form von Zusammenhalt erstmal ein kleines Gegenlicht.

Genau deshalb zielt mein Text nicht auf Freundschaft oder ehrliche Anerkennung.
Ich habe auch nichts gegen „kuschelig ehrlich“ – im Gegenteil: Wenn jemand sagt
„das hat mich berührt“ oder „ich erkenne mich da wieder“, ist das für mich eine der
stärksten Formen von Lob, weil es persönlich ist und ein Risiko trägt.

Meine Satire setzt eine Schere an einer anderen Stelle an: dort, wo Beifall ritualisiert wird.
Wo er nicht mehr Antwort ist, sondern Reflex. Wo man klatscht, damit die Maschine läuft:
„Du lobst mich, ich lobe dich, wir bleiben beide bedeutend.“ Das ist nicht Bosheit,
eher ein sozialer Sicherheitsgurt – aber er hat einen Preis: Er macht die Texte glatt.
Er ersetzt Aufmerksamkeit durch Geräusch. Und er nimmt der Kritik
(und damit dem Werk) die Luft.

Du schreibst: „geistreicher Austausch statt nichtssagendem Beifall“ –
das ist ziemlich genau mein Punkt. Für mich sind Gedichte kein Schmiermittel,
sondern eher ein Test: Halten wir die Stille aus, die ein Text macht? Halten wir eine Frage aus? Halten wir sogar eine kleine Irritation aus? Wenn ja, entsteht Gespräch.
Wenn nein, bleibt Klatschen.

Und da steckt bei mir vielleicht auch eine persönliche Ästhetik dahinter:
Ich schreibe oft kurz, kantig, ohne Floskel, eher wie Notate. Das ist keine Pose,
eher ein Misstrauen gegenüber „Wärme-Formeln“. Ich möchte lieber einen einzigen genauen Satz als zehn freundliche Nebelkerzen. Applaus kann sehr nett sein –
aber er ist mir als Reaktion zu oft zu ungenau.

Was ich mir wünsche (auch auf Poeten.de): nicht „Schlacht“ oder „Skalpell“
als Dauerzustand – sondern Resonanz mit Inhalt. Also Dinge wie:
Was genau funktioniert? Was genau kippt? Wo hat’s dich erwischt? Was bleibt flach?
Und ja: auch mal ein klares „nee, überzeugt mich nicht – aus dem und dem Grund“.
Das ist für mich echte Anerkennung: dass jemand sich Zeit nimmt, hinzuschauen.

Meine Absicht war also nicht: „Haha, alle sind doof und klatschen.“
Sondern: ein kleines Warnschild gegen Autopilot-Lob. Weil ich glaube,
dass echte Freundschaft und echter Austausch eher mehr vertragen als nur Beifall –
sie vertragen auch Reibung.

@Teddybär: Stimmt auch: Ein Werk lebt von Resonanz.
Nur: Ich glaube, Bedeutung entsteht nicht nur durch Beifall,
sondern durch Aufmerksamkeit – und die hat mehr Formen als Klatschen:
Widerspruch, Nachfragen, ein Satz, der hängen bleibt,
auch ein “das überzeugt mich nicht”.

Kurz: Ich habe nichts gegen Wärme. Ich habe was gegen Automatismen.

LG Driekes
 
Danke für die ausführliche Antwort, der ich mich gerne anschließen möchte.
Automatismus gehört wirklich besser in solche Dinge wie Autofahren und nicht in menschliche Kommunikation.
Ich kritisiere die politischen Einstellungen meines Kumpels sehr gerne und scharf manchmal. Aber es ändert nichts an meinen Gefühlen für ihn und er wird auch weiterhin mein Kumpel bleiben. Daher kann ich deine Argumentation sehr gut nachvollziehen.
Auf Poeten hier wirst du das ganze Spektrum an Kommunikation vorfinden. Das eine mal mehr, mal weniger. Und umgekehrt oder so...
Vielleicht noch ein Gedanke dazu: Es gibt Leute die gerne kritisieren und mehr auch nicht wollen. Alles kein Ding. Geht völlig in Ordnung, genau wie der Versuch neue Kontakte für sich zu knüpfen. Aber beim kritisieren scheitert es eben allzu oft an der fehlenden sozialen Komponente und das ist nunmal ein kleinwenig Zucker im Gulasch. Wer das nicht beherzigt wird schnell als Überheblich und herablassend wahrgenommen.

Ich bedanke mich für den kleinen Austausch hier. Bis demnächst hoffe ich.

LG JC
 
@JC,

Danke dir – genau so meinte ich’s: Automatismus taugt fürs Blinken, nicht fürs Gespräch.

Und ja: Kritik kann hart sein, ohne dass die Beziehung kippt. Wenn der Ton stimmt, ist sie sogar ein Zeichen von Nähe: Man nimmt den anderen ernst genug, um nicht nur zu nicken.

Dein „Zucker im Gulasch“ gefällt mir als Bild. Ich würde nur ergänzen: Zu viel Zucker macht aus Gulasch Dessert – dann ist zwar alles freundlich, aber nichts mehr nahrhaft. Mir geht’s um die Mischung: soziale Wärme plus Inhalt. Also: Respekt im Ton, Präzision in der Sache.

Auf Poeten wird man beides finden, da hast du recht. Ich versuche einfach, bei meinen Antworten nicht beim Klatschen stehen zu bleiben, sondern etwas zurückzugeben, das lesen lässt: ein Gedanke, eine Reibung, ein konkretes „hier“ oder „da“.

Und bei reiner Nörgelkritik ohne Gespräch? Dann halte ich’s mit Rhett Butlers letzter Zeile an Scarlett – in Gone with the Wind. Und dann: weiter im Text.

Danke für den Austausch – bis demnächst gerne.


LG Driekes
 
Hallo @Driekes

Dann bist du heute (hoffentlich) ein Stück weitergekommen…

Ich wurde mit „Das Ramari-Experiment“,
wo es um ein vergleichbares (vielleicht auch das Gleiche…?!) Thema ging, ins ‚Wohnzimmer‘ verwiesen…😉

Ja und Reibung, eigentlich ein „erwärmender Begriff“ aber wenn der Funke nicht überspringt…?

LG Guenk
 
@Guenk

Moin 🙂
ja, ich bin tatsächlich ein Stück weitergekommen – danke dir.

Und danke für den Verweis ins „Wohnzimmer“ zum Ramari-Experiment 😉 Wenn das Thema da schon mal herumstand, umso besser: dann ist es offenbar kein Einzelfall, sondern ein wiederkehrendes Muster.

Zu „Reibung“: eigentlich ein wärmender Begriff, stimmt. Aber nur, wenn da wirklich Kontakt ist. Wenn der Funke nicht überspringt, bleibt’s entweder höfliche Politur (Applaus) oder trockener Abrieb (Kritik ohne Gespräch). Mir geht’s um die Reibung, die Licht macht: konkret, ehrlich, mit einem Minimum an sozialem Takt.

LG
Driekes
 
Hallo @Driekes,

ich lese hier über einen Verein, der seinen Sitz in einer „Strassengemeinschaft“
hat, dessen Klingelschild sich heilverheißend liest. Betätigt man die Klingel schießt man einen Vertrag ab – der ausschließlich durch die Betätigung des Klingeldrückers rechtsgültig ist und keiner Unterschrift bedarf.
Ein prima Klima ist geschaffen.

Betätigt man diese Klingel nicht und wagst lediglich einen Zuruf, kannst du Pech haben. Manchmal bekommst du Gehör und kannst am Fenster ein Zunicken erkennen und wartest auf die hereinlassende Antwort – vergebens.
Manchmal aber bekommst du Gehör, samt ablehnender Antwort und bleibst außenvor. Tja.

Was macht man zukünftlich? Man erinnere sich an das Kleingedruckte in dem Vertrag ohne Unterschrift und kaufe sich einen Salbeizögling und züchte ihn zu einer riesigen Pflanze an, mit Ablegern die dir zuflüstern: Halte dich dran! Wenn du nicht mir, so ich nicht dir und Ende gut, alles gut.

Und ich glaube, der ein oder andere in der "Strassengeminschaft" erkennt sich wieder. Nachdenken erwünscht!

Natürlich wurde kam das Thema schon öfter aufs Tablet. Ich erinnere mich an @Joshua Coan geniales Thema "Piks". Ich hatte einen Kommentar vorbereitet den ich nicht gepostet hatte, da er als Antwortgedicht hätte ausgelegt werden können.

Ich werde den Text als voraussichtlich letzten zur Reihe "Die Offenbarung - Das etwas andere Outing" später, nach Absitzen der 24Std.Regel hinzufügen.

MfG
Monolith
 
Zuletzt bearbeitet:
Liebe @Monolith

dein Kommentar erinnert mich an dein Gedicht „Leben und Leben lassen“:
dieses „Klingelschild-System“ mit Vorderhaus und Hinterhaus – außen Einkehr,
hinten Engstirnigkeit – trifft denselben Nerv.

Und genau gegen diesen Automatismus (Beifall als Vertrag) richtet sich meine Satire,
nicht gegen echte Wärme und nicht gegen echte Wertschätzung.

Danke dir fürs Mitdenken.

LG Driekes
 
Hallo Driekes, ich finde es schön und ehrenwert, wenn man neben seinem eigenen Werk auch andere Autoren würdigen kann. Ein über den grünen Klee loben, ist gar nicht nötig, aber Anerkennung darf geäußert werden, wenn diese angebracht ist. Kritik nehme ich z.B. gern an, wenn ich meine Zeilen oder mich dadurch verbessern kann. Ich verstehe Deine Zeilen als Hinweis, vielleicht öfter einmal eine Meinungsäußerung zu hinterlassen.

Liebe Grüße Juls
 
  • Darkjuls
    letzte Antwort
  • 12
    Antworten
  • 155
    Aufrufe
  • Teilnehmer
Zurück
Oben