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Feedback jeder Art Wie dichtet man... (nach Constantijn Huygens, 1596-1687)

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Dichtens regel

DE Dicht-konst, jonge Lien, besluyt ick in dry leden,
Die t'samen moeten gaen, in Voet-maet, Rijm en Reden:
Gebreeckt' er een van dry, soo scheidt ghy met een' stanck,
En, die wat ooren heeft, sal seggen, daer is 't manck.
Noch konnen s' alle dry het werck niet houden staende;
(Lett wel op dit geheim) 't moet hincken; wel verstaende,
Daer een van dryen werdt om 't ander ingepijnt,
En elck niet om sijn self van selfs gekomen schijnt.


Worte und Redewendungen
: „Voet-maet“ = Metrum; “scheidt ghy met een' stanck” = vom Teufel gesagt, der beim Austreiben einen üblen Geruch hinterlässt; „manck“ = baufällig, mangelhaft; „noch … niet houden staende“ = sogar dann gelingt das Werk immer noch nicht; „hincken“ = Humpeln; „ingepijnt“ = zusammenquetschen, drücken, beschränken, verhindern. Hier versuchsweise mit „angeleint“ übersetzt, also sich nicht frei bewegend.

Die Dichtkunst, junge Leut‘ / hat Teile, dreierlei
Zusammen: Metrum, Reim / Verständlichkeit dabei
Und fehlt ein Teil davon / dann merkt man dass es stinkt
Wer Ohren hat der sagt / es läuft nicht gut, es hinkt
Wenn alle drei sind da / dann immer läuft‘s Gedicht?
(Dies sag ich heimlich euch!) / es läuft noch immer nicht,
Wenn eins von diesen Drei / die andren angeleint
Und jeder nicht für sich / von selbst gekommen scheint
 
Moin @ranranshi

das ist keine bloße Übersetzung, sondern ein echter Übertragungsversuch –
und genau das macht es interessant.

Da ich Niederländisch fließend in Wort und Schrift beherrsche,
lese ich so etwas natürlich mit besonderem Augenmerk.
Und ich finde, du hast den Kern gut erwischt: Metrum, Reim und Verständlichkeit
als drei Grundpfeiler – und dann die schöne Einschränkung,
dass selbst diese drei zusammen noch kein gutes Gedicht garantieren,
wenn sie sich gegenseitig nur einengen.

Der Arbeitstitel „Wie dichtet man… (nach Constantijn Huygens, 1596–1687)“
passt dafür sehr gut, weil er von vornherein klarstellt, dass hier nicht einfach
übertragen, sondern bewusst an einen poetologischen Ursprung angeknüpft wird.
Zumal Huygens in einem frühneuzeitlichen Niederländisch schrieb,
das dem heutigen Sprachgefühl schon näher steht.

Gerade das kommt in deiner Fassung gut heraus.
Auch „angeleint“ für ingepijnt finde ich durchaus brauchbar,
weil darin dieses Gehemmte und Gegeneinander-Gezogene mitschwingt.

Mir gefällt überhaupt, dass du die Schwierigkeiten nicht glättest,
sondern sichtbar machst. Genau dort wird es spannend.

Keine leichte Übung – aber eine kluge und sprachbewusste Annäherung.
dafür habe ich einigen Respekt.

LG Driekes
 
Hallo Driekes,
Ich freue mich, dass der Text von dir gut aufgenommen wurde. Ich habe Huygens' eigene Faustregel befolgt, die Übersetzung des Gedichts fremd werden zu lassen und sie wie das Werk eines anderen zu behandeln. Manchmal denke ich: Wie konnte dieser Narr nur diese Übersetzung für diese Zeile wählen? Manchmal denke ich: Das ist eine kluge Lösung! Es ist ein Leben zwischen Scham und Stolz. Vielen Dank für deine ausführlichen Anmerkungen.
 
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