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Feedback jeder Art Winterschlaf

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  • UniquePanda
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Weiße Decken dämpfen Worte,
watteweich ruht der Verstand.
Alles Fühlen, das noch bohrte,
löst sich auf in kalter Hand.

Alte Lieder bringen Freiheit,
frei von jeder Emotion.
Grau im Dunkeln wartet Hoffnung
auf den letzten schwarzen Ton.

Waren wir nicht voll von Liebe?
Voll von Wein und von Gesang?
Plötzlich sprießen tote Triebe
an den Grenzlinien entlang.

Lass ich mich von dir beherrschen?
Zeig mir, was ich denken darf!
Ich bekomme wohl im Winter
einfach nur zu wenig Schlaf.



Bearbeitung auf Anregung von @Schmuddelkind in den Kommentaren:
"Voll von Wein, voll von Gesang?" -> "Voll von Wein und von Gesang?"
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Uwe,

danke für das Lob und die Anmerkung.
Es wäre gelogen, wenn ich behaupten würde, der unheilige Reim wäre mir selbst nicht auch aufgefallen. Ich fand es hier passend genug und wenigstens sind die Triebe tot. Auch wenn das für sich genommen auch schon etwas abgedroschen ist. 😄
Ich habe gerade Mal meinen Fundus durchsucht. In ca. 50 Texten mit "Liebe" ist das tatsächlich der erste mit "Triebe". Die Quote genügt mir.
Mögen es weitere 50 ohne diesen Reim werden!
Zum 100ten mache ich dann vielleicht nochmal eine Ausnahme. 😁

Liebe Grüße,
Panda
 
Moin @UniquePanda,

da ist ein sehr kaltes, klares Wintergefühl drin:
„weiße Decken dämpfen Worte“ – das ist nicht gemütlich, das ist Betäubung.
Und „kalt in der Hand“ macht das Fühlen fast körperlich weggenommen,
als würde es einfach auslaufen.

Stark finde ich auch den Kontrast: „Alte Lieder bringen Freiheit“ –
aber eben eine Freiheit ohne Emotion, eher Narkose als Erlösung.
Dann diese dunkle Zeile: „Hoffnung … auf den letzten schwarzen Ton.“
Musik als Endpunkt.

Auch die dritte Strophe sitzt: Der Reim „Liebe / Triebe“ ist zwar klassisch (ein Wenig abgenutzt),
aber du kippst ihn ins Kalte („tote Triebe“) – dadurch wird er nicht kitschig, sondern brüchig.
Der Schluss dreht’s in Selbstzweifel und Müdigkeit, sehr menschlich:
Vielleicht ist das Dämonische gar nicht groß, sondern Winterkopf und zu wenig Schlaf.

Ein Text mit Frost auf den Worten – und darunter brennt’s noch.

LG. Driekes
 
Lieber Panda,

dein Gedicht hat mich zunächst klanglich und atmosphärisch sehr eingenommen und mich dann erst dazu genötigt, mich inhaltlich eingehender damit zu beschäftigen. So lobe ich mir ein Gedicht! Wenn es im Unterbewusstsein etwas Ungefähres aufwühlt und man zunächst noch gar keinen klaren Gedanken dazu hat, aber dieses Aufwühlen zu stark ist, um es einfach beiseite zu schieben.

Dahingehend war es wohl direkt der Einstieg ins Gedicht, der sofort einen Bann über mich ausübte:
"Weiße Decken dämpfen Worte" - ich wusste sofort, dass da klanglich etwas passiert, aber brauchte eine Weile, bis ich verstanden habe, was: Die Anfangsbuchstaben sind es. W-D-D-W - zwei "bremsende" Verschlusslaute, eingerahmt von zwei weichen Reibelauten, wie Gedanken, die zwischen zwischen den Deckenenden an den Ohren verstummen. Was zunächst wie die Gemütlichkeit kurz vor dem Einschlafen daherkommt, wenn die Seele zur Ruhe kommt, entpuppt sich als mehrbödig:

Zum Einen die Deutung, dass das LD (mutmaßlich ein Liebespartner) das LI tötet: Mit kalter Hand erstickt es das LI im Bett, bis der letzte schwarze Ton alles Denken auslöscht. Interessanterweise wird die Frage aufgeworfen, ob das LI sich von seinem Mörder beherrschen lässt, was suggeriert, dass das LI des Kämpfens überdrüssig ist und den Tod einfach akzeptiert, denn eine Welt, in der dieser unglaubliche Vertrauensbruch möglich ist, scheint nicht lebenswert.

Zum Zweiten könnten dies aber auch einfach Metaphern für das Ende einer Beziehung sein. Das mag sich nämlich wie das Sterben schlechthin anfühlen. Auch hier: Das LI hat das Kämpfen satt und akzeptiert das Unvermeidliche, verkriecht sich unter der Decke, um in einer Welt bestehen zu können, die im Widerspruch zum eigenen Wesen steht. Dabei lässt die Aufforderung "Zeig mir, was ich denken darf!" tief in die Muster einer toxischen, von Manipulation geprägten Beziehung blicken. Der Wunsch, nicht da zu sein, nicht mehr zu denken, ist die logische Folge einer durch Manipulation erzeugten selbstleugnenden Weltsicht.

Drittens könnte es sich aber auch um (möglichweise einseitig gewollten, das LI ausnutzenden) Sex in einer kalten Winternacht handeln, in der das LD sich am LI gerne aufwärmen möchte. Figure that out for yourself! I won't go into detail.

Natürlich ist dann in mir irgendwo der Wunsch, herauszufinden, welche Deutung denn die "richtige" sei. Aber so vieldeutig gefällt es mir eigentlich am besten und so möchte ich es auch gerne für mich stehen lassen. Jedenfalls ist es eine große Kunst, so viele Assoziationen mit einem einzigen Gedicht zu wecken.

Der Liebe/Triebe-Reim hat mich persönlich nicht gestört - vermutlich weil die Triebe hier botanischer Natur sind und das ist irgendwie nicht ganz so abgegriffen, glaube ich.

Eine Stelle hätte ich aber, die du evtl. noch überarbeiten könntest:

Voll von Wein, voll von Gesang?
Ich behaupte nicht, dass es metrisch nicht funktioniert, aber es ist trotzdem eine gewisse Stolperfalle: Ich hätte das zweite "voll" in diesem Vers intuitiv betont gelesen und das würde natürlich das Versmaß sprengen. Erst beim zweiten Anlauf kriege ich die Betonung so hin, wie du es dir vorgestellt hast, muss mich also dazu zwingen. Nicht super schlimm, aber auch nicht optimal. Wie wäre es vielleicht mit folgender Variante?
"Voll von Wein und von Gesang?"

Ansonsten aber super geschrieben!
Gern gelesen.

Liebe Grüße
Schmuddi
 
Hallo @Schmuddelkind,

auch dir natürlich vielen Dank für die Auseinandersetzung mit meinen Versen!
Das Herz des Autors ist ganz verzückt! 😄

Ich gestehe, auch mir gefällt der Einstieg. Ich habe das schon hin und wieder ähnlich gemacht, aber selbst noch nie so schön beschreiben/analysieren können. Vielen Dank!
Da muss ich mit diesem neuen Wissen zukünftig glatt aufpassen, dass mir nicht jeder trochäische Anfang dahin abrutscht!

Zu deinen Interpretationen, möchte ich mich gar nicht allzu sehr äußern, wie es ja auch dein Wunsch ist.
Sie haben mir allesamt viel Freude bereitet!
Aus Sicht des Autors (und nicht des lyrischen Ichs) verarbeiten meine Gedichte gerne mal eher Nischenthemen, sodass es selten mein Anspruch ist, dass Lesende meiner Gedankenwelt vollständig folgen. Es ist also sehr in meinem Sinn, dem Text genug Raum für persönliche, vielfältige Interpretationen zu geben und es freut mich, wenn das funktioniert. 🙂
(Was nicht heißen soll, dass eine deiner Möglichkeiten meiner Intention beim Schreiben entspricht oder nicht. Das lasse ich gerne offen.)

Figure that out for yourself! I won't go into detail.
Selbst die Interpretationen eines Textes bedürfen zuweilen einer eigenen Interpretation! 😂

Eine Stelle hätte ich aber, die du evtl. noch überarbeiten könntest
Danke für den Hinweis!
Was mich besonders freut: Damit haben du und @Stavanger genau zwei der drei Zeilen rausgepickt, die auch beim Schreiben am meisten Aufmerksamkeit bzgl. Nacharbeit bekommen haben, weil ich nicht ganz zufrieden war.
Das zeigt wohl ein gutes Gespür hier im Forum und dass es sich lohnt, dann doch lieber nochmal drüber nachzudenken. 🙂
Für mich war es in der Zeile eher das Inhaltliche, weshalb ich sie ein paar Mal änderte, bis ich bei der jetzigen ankam. Dabei hat dann vermutlich der Rhythmus etwas gelitten, was mir gar nicht aufgefallen ist. Du hast aber recht, ich sehe es auch!
Ich nehme deine Anmerkung mit und notiere sie mir bei mir im Gedicht. 100% sicher bin ich nicht, ob mir das "und" hier gefällt, aber das sind Spitzfindigkeiten. Ein Denkanstoß für die Zeile ist es auf jeden Fall und vielleicht schaue ich es mir in ein paar Tagen nochmal an, mit frischem Kopf, und übernehme dann deine Idee oder habe eine weitere.

Danke natürlich auch für das Lob.

Liebe Grüße,
Panda
 
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