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Feedback jeder Art *Das Mädchen im Raum *

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Teil 5/8
Das Mädchen im Raum

Die Zeit ist vergangen, wie in einem Jahrhundertschlaf.
Ich war da, aber doch neben mir.
Bis zu diesem einen Moment,
der mich traf wie ein Schlag.
Dieses Gefühl hallte noch lange nach.
Wie eine Melodie,
die ich immer wieder höre.
Eine Melodie, die ich sehen kann.
Eine Bewegung, ein Aufatmen – ein Mädchen.
Das Einzige, was sie trägt, ist ein weißes, langes Hemd, das ergraut ist.
Die Haare wild zerzaust vom vielen Liegen.
Vom Liegen in einem dunklen, staubigen Raum mit nichts außer ihr selbst darin.

Wie sie sich schlagartig aufrichtet,
da ein Lichtstrahl ins Zimmer fällt,
der zuvor nie dagewesen war.
Ein kleiner Schein,
der in ihren bisher leeren Augen ein Licht aufflackern lässt und
sie den Raum jetzt sehen kann.
Genügend Licht, um die Tür zu erkennen.
Die Tür, die sie schon unzählige Male versucht hat zu öffnen.
Mit aller Kraft,
mit Rufen und mit Tränen -
nichts half.

Es blieb still –
lange – sehr lange.
Und sie auch.

Doch etwas ist anders.
Das Mädchen weiß, sie kann die Tür nicht öffnen.
Sie wagt nicht einmal mehr den Versuch.
Es ist die Wand neben ihr,
die sie jetzt betrachtet.
Ihr fällt auf,
dass der Raum zu klein für seine Größe ist.
Diese Wand gehört da nicht hin.

Dahinter ist jemand – sie hört es, sie weiß es.
Und so ist es.
Hinter der Wand, im selben Raum,
steht ebenfalls jemand.
Jemand, der die Wand Stück für Stück ruhig abtastet,
mit der Gewissheit,
dass dahinter etwas ist.
Der Raum auf dieser Seite ist ebenso dunkel, doch die Tür hingegen nicht verschlossen.

Das Mädchen aber ruft, hämmert und tritt mit aller Kraft,
bis es hoffnungslos in der Mitte auf die Knie sinkt,
die Hände vors Gesicht schlägt und bitterlich weint.
Wieder wird es still.

Während auf der anderen Seite jemand weiter die Wand mit einer Seelenruhe abtastet, nicht ahnend,
dass sich in seinem Teil des Raumes irgendwo im Dunkeln ein Schlüssel befindet -

Ihr Schlüssel!

Und dann sehe ich sie –
und ich bin erschrocken über dieses Bild! Über dieses Mädchen, das so lange ignoriert wurde,
so lange überhört wurde und dort eine Ewigkeit verweilt.

Wie konnte ich sie nur vergessen?

Und in mir steigen die Tränen hoch und der tiefste Wunsch, ihr zu sagen:
„Es tut mir so leid,
es tut mir so schrecklich leid!“

Und etwas verändert sich –
langsam.
Das Mädchen liegt nicht mehr.
Es weint auch nicht.
Es sitzt nun aufrecht, durchatmend – klar.
Mit dem Blick nach vorn –
wartend.
Ruhig.
Und mit einem Leuchten in den Augen.


🎶Chelsea McGough "Distant Water"🎶

Die beschriebene Melodie, die ich "sehen" kann, war tatsächlich die Melodie von Chelsea McGough " Distant Water ", die mich zu diesem Bild im Kopf inspirierte.
 
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