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Feedback jeder Art Der schmale Faden

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  • Chandrika W.
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Ein Leben als Seilgang: Schritt für Schritt — bis nichts bleibt als Gangart.


Wir hängen an einem schmalen Faden zwischen Geburt und Tod.
Und tun gern so, als wäre er ein Steg: breit, geländerfest, mit Laternen.
In Wahrheit: ein Seil. Man geht darauf, weil man gehen muss.

Jeder Atemzug ist ein Übergang. Kaum da, schon Vergangenheit.
Wir betäuben es mit Plänen und Wiederholungen und nennen es Zukunft.
Dabei ist es oft nur aufgeschobene Gegenwart.

Wir jagen der Ewigkeit nach, als wäre sie ein Ort.
Doch sie passt nicht in die Hand.
Wer sie festhalten will, verpasst den Schritt, der jetzt möglich wäre.

Der Tod geht hinter uns. Nicht als Drohung –
als Schatten, der Ausreden kürzt.
Er stellt eine unbequeme Frage: Warum nicht heute?
Warum später lieben, später mutig sein, später wahr?

Denn Mut ist kein Gedanke. Liebe ist kein Wunsch.
Beides ist Handlung. Und beides wird nicht leichter,
wenn man wartet – nur seltener.

Am Ende schließt sich der Weg.
Und was bleibt, ist nicht die Länge der Strecke,
sondern die Art, wie man gegangen ist:
nicht Besitz, sondern Wagnis –
dass ein Mensch auf einem dünnen Seil
für einen Moment aufrecht geht.
Mehr ist nicht sicher.
Mehr ist nicht nötig.
 
Hallo Driekes, das sind wieder nachdenklich machende Worte von Dir.

Ich versuche auf dem Faden bzw. Seil zu balancieren, den Schwung mitzunehmen und Fehltritte zu vermeiden. Mut und eine Portion Wagnis gehört auf jeden Fall dazu, tagtäglich mit dem Tod im Rucksack über den Abgrund zu schreiten. Wer keine Angst vor der eigenen Courage hat, bleibt sich treu und blickt aufrechtgehend nach vorn, setzt einen Fuß vor den anderen und bleibt standhaft auf seinem Weg.

Im Alter gelingt das durch die nötige Gelassenheit und Erfahrung, obwohl einem die Konsequenzen eines Fehltritts durchaus stärker bewusst werden. Ich gehe meinen Weg, wohin er mich auch führen mag.

Sei gegrüßt von mir, Juls
 
Hallo @Driekes

Ich bin schon froh, wenn ich ein paar Fußabdrücke hinterlasse. Kein "Walk of Fame", eher Spuren in der Wüste, wo der Wind des Vergessens das Bild allmählich löscht. Aus, vorbei und Amen!
Das Leben zuvor war Egoismus, ein Zappeln am Strick des Lebens und es ist immer nur eine Frage der Zeit, bis das Schicksal den Knoten zusammen zieht.

Deine Zeilen sind ein Denkanstoß!
LG Teddybär 🐻
 
@Darkjuls,

danke dir. Das „Balancieren“ mit Schwung und die Gelassenheit im Alter –
das trifft’s gut: nicht angstfrei, sondern klarer.
Und ja: Fehltritte werden bewusster, aber der Schritt wird oft ehrlicher.

@Teddybär,

deine „Spuren in der Wüste“ sitzen.
Kein Walk of Fame, eher ein kurzes Zeichen im Sand –
und der Wind macht den Rest.
Dieses Bild passt unangenehm gut zum Faden:
Am Ende bleibt nicht Ruhm, sondern Haltung.

Vielleicht ist das der ganze Trick:
nicht fallen vermeiden um jeden Preis –
sondern auf dem Seil nicht so tun, als gäbe es keins.

LG
Driekes
 
Hallo Driekes,
Du schreibst so, dass man nicht nur liest, sondern innehält. Danke dafür, dass du mich auf meiner Suche nach Weisheit immer noch ein Stück weiterbringst.
Allerdings:
Wer vom Weg abkommt,
lernt die Gegend kennen.
Das habe ich zumindest in meiner Jugend gelernt....🙂
LG
Chandrika
 
Liebe Chandrika W.,

danke dir.
Dein Satz gefällt mir: Wer vom Weg abkommt, lernt die Gegend kennen.
Nur ist mein Bild weniger „Pfad“ als „Seil“: Der Faden ist nicht der Weg,
sondern die Bedingung. Man balanciert, statt zu wandern.

Und vielleicht stimmt dein Satz trotzdem – nur anders:
Wer auf dem Seil kurz ins Wanken gerät, sieht die „Gegend“
unter sich plötzlich sehr deutlich. Das schärft den Blick.
Aber bleiben muss man trotzdem: nicht auf dem Pfad, sondern in der Haltung.

LG. Driekes
 
Hallo Driekes,
ich hoffe, es stört dich nicht, wenn ich in deine "Tintenfußspur" trete und auch ein Gedicht zum Thema : Leben als Drahtseilakt schreibe. Mein Fokus ist ein anderer, aber das Bild hat mir gefallen.
Im übrigen stimme ich dir zu: Die Haltung ist entscheidend. Diesen Aspekt vermisse ich vor allem bei unseren politischen Machthabern, leider....
Dir und den Deinen noch einen schönen Abend
Chandrika
 
  • Chandrika W.
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