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Feedback jeder Art Ein Weg in den Winter

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  • Carolus
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Ein Weg in den Winter


Lautlos schiebt die Dämmerung
sich in das Schweigen blauer Schatten.
In sanftem Purpur verglüht des Tages Licht,
verliert sich auf der Höhe.

Auf schneeverwehter Flur
Tropfen der Eisuhr erstarren.
Frostkalter Wind meine Spur verwischt.
Blitzende Dolche verharren fester an Traufen.

Nach Christmas-Lärmen
und pflichtgemäßem Neujahrstrubel ist mir
nach Ruhe, Stille und Geborgenheit zumute
Jene amtlich zugelassene Fröhlichkeit bin ich leid.

Bilanzieren will ich meiner Seele Hab und Gut,
trennen unnachsichtlich Spreu aus leeren Schalen
von den Keimen wahrer Freundschaft, diese
nähren mit den Wurzeln meines Erdreichs,

bis der Frühling uns in seine Arme nimmt
und wir aus vollen Herzen ihm ein Ständchen bringen.


(„Carolus“ in „poeten.de“ 03.01.2026)
 
Moin Carolus,

das ist ein Wintergedicht, das nicht „romantisch friert“, sondern wirklich inventarisiert:
Dämmerung, Eisuhr, verwischte Spur – alles arbeitet auf diesen inneren Satz zu:
Genug von der verordneten Heiterkeit, her mit Ruhe und Wahrhaftigkeit.

Sehr stark finde ich die Bildachse: „Tropfen der Eisuhr“
da steckt Zeit, Stillstand und Endlichkeit drin, ohne dass du’s ausbuchstabierst.
Und „amtlich zugelassene Fröhlichkeit“ ist ein Treffer:
trocken, gesellschaftskritisch, ohne zu poltern.

Im Schlussdrittel wird’s dann fast wie ein stilles Gelöbnis:
Spreu raus, Keime echter Freundschaft rein, nähren, warten.
Das gefällt mir, weil es nicht ins Bittere kippt, sondern Richtung Frühling offen bleibt –
und das „Ständchen“ am Ende ist ein leiser Hoffnungsschimmer, nicht Kitsch.

Gern gelesen.
Und ja: Nach dem ganzen Lärmen fühlt sich genau so ein Text wie ein warmes Zimmer an.

LG, Driekes
 
Guten Abend, Driekes!

Mit besonderer Freude und Dankbarkeit habe ich deine einfühlende Stellungnahme gelesen; sie folgt Inhalt und Aufbau des Textes und legt dabei die Intentionen des Verfassers dar. Beim Lesen kam mir spontan der Gedanke, "Ja, solche Überlegungen habe ich selbst während der Niederschrift angestellt", so u.a. dein Paukenschlag:
"Genug von der verordneten Heiterkeit, her mit Ruhe und Wahrhaftigkeit!"
oder die Andeutungen, die dem Leser genügend Zeit und Vorstellungsvermögen lassen, in das angedeutete Winterbild selbst einzusteigen, so etwa durch "Tropfen der Eisuhr "..."meine Spur verwischt!"
Selbst am Schluss überlegte ich noch, ob dem Frühling "ein Loblied zu singen" nicht als "Kitsch" ankommen würde, verneinte es und ersetzte es
durch das lustigere "ihm ein Ständchen bringen".
Nochmals: Ich hab mich sehr gefreut und bin dir dankbar für deine "einsichtigen" Ausführungen!
Statt eines formelhaften Abschieds hier etwas über mein Verhältnis zum

Schnee
Schnee heißt jetzt mein Arbeitgeber.
Ich nehme ihn locker auf die Schippe.
Mein Motto:"Schipp, schipp! Hurra!"

Sonnige Wintertage für Dich!
Carolus
 
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