Ukrainerinnen
Fall Eins
Sie weint, wenn die Kinder schlafen. Vier Söhne — zwei hier, zwei an der Front. Kein Brief oder Anruf. Kein Verständnis, wem heutige Welt gehört.
Vier Fotos auf dem Handybildschirm. Zwei Stimmen im Nebenzimmer, doch hier. Sie zählt seine Tage, und das ist zu schwer. Und niemand hört sie. Niemand. Nimmer.
Fall Eins. Nicht mein. Nicht dein.
Fall Zwei
Sie lernt, spricht gut Deutsch und besteht. Die Witwe — das Wort spricht keiner aus. Ihr Mann kommt zurück nicht mehr. Sie baut aus Scherben ein neues Haus.
Die Nachbarn tuscheln. Neid klingt schief. Sie hört es und sagt nichts zurück. Doch nachts greift sie nach dem, was blieb — ein Foto wie ein letzter Gruß.
Fall Zwei. Mit Kindern — und doch allein.
Fazit
Zu viele für einen Mensch. Ein Name, ein Kind, eine Nacht. Sie stehen vor uns — und wir wenden den Blick, bevor er uns erreicht.
Man sagt: Der Krieg hat kein Gesicht. Sieh sie an. Sieh sie an.
Fazit. Jeder versteht. Keiner sieht.
Oleksandr Verbytskyi, 2026 (c)
Fall Eins
Sie weint, wenn die Kinder schlafen. Vier Söhne — zwei hier, zwei an der Front. Kein Brief oder Anruf. Kein Verständnis, wem heutige Welt gehört.
Vier Fotos auf dem Handybildschirm. Zwei Stimmen im Nebenzimmer, doch hier. Sie zählt seine Tage, und das ist zu schwer. Und niemand hört sie. Niemand. Nimmer.
Fall Eins. Nicht mein. Nicht dein.
Fall Zwei
Sie lernt, spricht gut Deutsch und besteht. Die Witwe — das Wort spricht keiner aus. Ihr Mann kommt zurück nicht mehr. Sie baut aus Scherben ein neues Haus.
Die Nachbarn tuscheln. Neid klingt schief. Sie hört es und sagt nichts zurück. Doch nachts greift sie nach dem, was blieb — ein Foto wie ein letzter Gruß.
Fall Zwei. Mit Kindern — und doch allein.
Fazit
Zu viele für einen Mensch. Ein Name, ein Kind, eine Nacht. Sie stehen vor uns — und wir wenden den Blick, bevor er uns erreicht.
Man sagt: Der Krieg hat kein Gesicht. Sieh sie an. Sieh sie an.
Fazit. Jeder versteht. Keiner sieht.
Oleksandr Verbytskyi, 2026 (c)