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Ein blasser Schein verweilt im kalten Raum,
als hätte Stein den einen Schritt bewahrt.
Im Flur erstarrt die blinde Scheibe hart.
Ein matter Trug, beinah nur noch ein Traum.

Im Garten fällt schon Blatt um Blatt vom Baum.
Nur Wind ist da, der durch die Zweige streicht.
Am alten Putz das blasse Licht verbleicht
und zieht sich schmal zu einem grauen Saum.

Was fort ist, kehrt nicht um; ich weiß, es fehlt.
Verloren ist die Wärme deiner Hand.
Nicht, was in Bildern, Briefen dich festhält.


Ein Echo schreibt sein Zeichen an die Wand,
als Ahnung mehr denn Form, vom Blick verfehlt,
im Staub, im Schlaf — und hält dem Schwinden stand.


Alter leerer Raum mit Holzstuhl vor großem Fenster im Abendlicht; draußen herbstlicher Garten, drinnen warme Schatten auf verwitterten Wänden und Holzboden.


Illustration: KI-generiert (eigene Vorgabe)
 
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Lieber Driekes, es bleibt, was zwischen Schweigen und Satz liegt. Die Erfahrung und das Gefühl, welches wenige so gekonnt in Worte fassen können. Letzten Endes bleiben Spuren eines gelebten Daseins. Die denkende Erinnerung an die Lieben und die Wärme, die sich dabei im Herzen ausbreitet. Mehr braucht es nicht, mehr kann man nicht verlangen.

Deine leisen, sorgsam gewählten Worte gehen nahe und das Bild macht deutlich, wie gut und bildhaft Deine Sprache ist.

Liebe Grüße in den Abend von mir, Juls
 
Lieber Driekes,
ein stilles Sonett, das von Einsamkeit und Verlassensein erzählt.
Beim Lesen spürt man die empfundene Leere, die zurückgeblieben ist.

Liebe Grüße
Chilicat
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Driekes,
solange noch das Erinnerungsecho im Kopf des LI hallt, ist das LD noch fühlbar, auch wenn es mit ihm irgendwann verhallt!
Konstruktiv (kleinlich) bin Ich froh nicht "endreimen" zu müssen denn, dass Fensterscheiben "hart" sind und der Wind "scharrt" wäre mir zu naheliegend bzw. etwas weit hergeholt! 😉
Gern dem Echo gelauscht und LG
Perry .
 
Hallo Driekes,

ich kann mit den vorherigen Kommentaren nur anschließen. Fühlbar beschrieben.
Ein paar kleine Kritikpunkte trotzdem noch meinerseits:
Das Reimschema gefällt mir hier weniger. Schon allein weil sich die beiden mittleren Sätze am Ende aufeinanderfolgend reimen. Beim lesen dachte ich mir, als Prosatext würde es wenig bis nichts von einer emotionalen Bildersprache einbüßen.
Vor allem weil ich zu oft "erstarrt" lese. Und der Satz hier:
Im Flur erstarrt die blinde Scheibe hart.
ergibt für mich wenig Sinn. "hart" erstarrende Scheibe? Wohl eher getrübt oder ähnliches.
Das passt für mich nicht. Weder sinnbildlich, noch metaphorisch.

Dafür kann ich aber mit solchen Sätzen etwas anfangen:
Ein Echo schreibt sein Zeichen an die Wand,
als Ahnung mehr denn Form, vom Blick verfehlt,
im Staub, im Schlaf — und hält dem Schwinden stand.
Genial gut formuliert!

Ein blasser Schein verweilt im kalten Raum,
als hätte Stein den einen Schritt bewahrt.
Auch sehr schön.

Melancholisch angehaucht geschrieben. Natürlich ist die Farbe die mir in den Sinn kommt ein kräftiges Orange.

LG JC
 
@Chilicat und @Darkjuls:

Mich freut sehr, dass bei euch nicht nur die Melancholie und Leere
angekommen sind, sondern auch das, was darunter noch weiterlebt:
Erinnerung, Wärme, Spur. Genau dort lag für mich der eigentliche Kern des Gedichts.

Besonders schön finde ich, dass ihr beide auf eure Weise auch das Bild
mit hineingelesen habt. Wenn Sprache und Bild sich gegenseitig tragen,
ist das für mich immer ein gutes Zeichen.

Dass euch die Zeilen auf unterschiedliche Weise erreicht haben, freut mich sehr.

Liebe Grüße
Driekes


@Perry und @Gemeiner Stechapfel:

Danke euch beiden für das genaue Lesen
und auch für die kritischen Hinweise.

Gerade an solchen Stellen ringt man oft am längsten –
zwischen Bild, Klang, Reim und der Frage, wie weit eine Formulierung trägt.
Deshalb nehme ich eure Einwände zu einzelnen Bildern und Wendungen
durchaus ernst. Manches ist bewusst so gesetzt, anderes sieht man mit
etwas Abstand vielleicht noch einmal neu.

Und Joshua: Dein Hinweis auf die Prosanähe hat bei mir tatsächlich
etwas angestoßen. Als Prosafan werde ich das Thema sehr wahrscheinlich
noch einmal in einer lyrischen Prosa aufgreifen. ich glaube, dass darin noch
einmal ein anderer Atem und eine andere Beweglichkeit möglich wären.

Umso mehr freut mich, dass gerade der Schluss bei euch etwas ausgelöst hat.

LG Driekes
 
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