Aktuelles
Gedichte lesen und kostenlos veröffentlichen auf Poeten.de

Poeten.de ist ein kreatives Forum und ein Treffpunkt für alle, die gerne schreiben – ob Gedichte, Geschichten oder andere literarische Werke. Hier kannst du deine Texte mit anderen teilen, Feedback erhalten und dich inspirieren lassen. Um eigene Beiträge zu veröffentlichen und aktiv mitzudiskutieren, ist eine Registrierung erforderlich. Doch auch als Gast kannst du bereits viele Werke entdecken. Tauche ein in die Welt der Poesie und des Schreibens – wir freuen uns auf dich! 🚀

Feedback jeder Art Wer Gedichte fürs Herz schreibt, braucht einen harten Schädel

Hier gelten keine Vorgaben mit Ausnahme der allgemeinen Forenregeln.
  • Darkjuls
    letzte Antwort
  • 2
    Antworten
  • 57
    Aufrufe
  • Teilnehmer
Notatlyrik-Kleinserie:
Sechs Notate über Liebe: Ankunft, Puls, Nähe, Brandstelle, Abkühlung,


1768923896942.png
Nicht Inspiration. Arbeit.

I – Ankunft

Deine Jacke über dem Stuhl.
Nicht ordentlich. Echt.

Zwei Tassen.
Eine steht falsch herum, als hätte sie’s eilig gehabt.

Im Bad: eine Haarspange.
Kleines Metall, große Wirkung.

Mein Schlüsselbund klingt anders,
seit ein zweiter Schlüssel daran hängt.

Ich nenne das nicht Glück.
Ich nenne das: da.

II – Puls

Ich sage mir: langsam.
Der Körper sagt: zu spät.

Dein Name im Display —
und alles in mir macht einen Schritt nach vorn.

Verliebtsein ist keine Blume.
Es ist ein Reflex mit schöner Ausrede.

Ich will nicht schwach sein.
Ich bin nur offen.
Und offen heißt: verletzbar.

III – Nähespuren

Laken: zerknittert.
Kissen: verschoben.
Die Decke: zu klein für zwei, trotzdem benutzt.

Auf dem Tisch:
dein Glas mit Fingerabdruck,
mein Feuerzeug,
eine Quittung ohne Zweck.

Liebe hinterlässt keine Gedichte.
Sie hinterlässt Spuren.
Und die sind genauer.

IV – Brandstelle

Passion ist Wärme, ja.
Aber auch: Kontrollverlust im guten Hemd.

Ich merke, wie ich dich will,
wenn ich eigentlich nur atmen wollte.

Und plötzlich wird jeder Tag
ein Test:
Ob ich mich halten kann,
oder ob ich laufe.

Ich laufe.
Nicht immer.
Aber oft genug, um es Wahrheit zu nennen.

V – Abkühlung

Der Kaffee wird kalt.
Nicht dramatisch. Einfach kalt.

Das Fenster beschlägt nicht mehr.
Die Luft steht wieder gerade.

Dein Duft im Flur: dünner.
Dein Becher im Schrank: sauber.

Vergänglichkeit ist kein Messer.
Sie ist ein Putzlappen.
Sie nimmt, was eben noch geglänzt hat.

VI – Restwort

Ich übe, dich nicht zu vermissen.
Als wäre das eine Technik.

Manchmal klappt’s
für drei Minuten.

Dann fällt ein Wort aus dem Alltag
und trifft mich wie früher.

Ich schreibe nicht, um dich festzuhalten.
Ich schreibe,
damit ich nicht so tue, als wärst du nie da gewesen.

Nota:
Harter Schädel.
Weiches Herz.
Das ist die Arbeit.



Illustration: KI-generiert (eigene Vorgabe)
 
Ich schreibe nicht, um dich festzuhalten.
Ich schreibe,
damit ich nicht so tue, als wärst du nie da gewesen.
Diese Zeilen gefallen mir ganz besonders, lieber Driekes. Wir schreiben, um Gefühlen freien Lauf zu lassen. Meist ist es nicht leicht, die richtigen Worte zu finden. Es ist ein Prozess, eine Verarbeitung. Ich denke, wer mit Herz schreibt, braucht ein feines Gespür und einen guten Ausdruck. Man lernt sich selbst besser kennen.

Du schreibst hier Gedanken in einer Form nieder, die auf mich wie ein Herzschlag wirken in intensiver und einprägsamer Tonfolge. Das Bild gefällt mir ebenfalls sehr gut. Es zeigt einen ehrlich bemühten Menschen, der sich Gedanken macht und gewillt ist, diese zu Papier zu bringen.

Liebe Grüße Juls
 
  • Darkjuls
    letzte Antwort
  • 2
    Antworten
  • 57
    Aufrufe
  • Teilnehmer
Zurück
Oben